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Spaziergang durch das alte Dobbertin

Vorschaubild

Im August 2002 feierte das Klosterdorf Dobbertin sein 775.Ortsjubiläum. Mannigfaltige und sehr wirkungsvolle kulturelle Höhepunkte und Festlichkeiten umrahmten diesen Termin. Ohne Zweifel ist es oftmals üblich, die Feierlichkeit und durchaus auch die Ausgelassenheit eines solchen Jubiläumstages zu genießen, sich zu vergnügen und zu entspannen. Gewiß, der sehenswerte Festumzug, die Chronikausstellung, folkloristische Darstellung, sie erinnern auch an die Geschichte. Doch augenfälligste und standfeste Zeugen der Geschichte sind und bleiben immer noch Gebäude und bauliche Anlagen. Mir geht es oft so, dass mich an einem mir bis dato unbekannten Ort die historischen Baulichkeiten am meisten interessieren; meine Aufmerksamkeit gilt dabei durchaus nicht nur Burgen, Kirchen, Schlössern – häufig sind Katen, Bauern- und Gesindehäuser, Schmieden, Backhäuser, Schulen, Handwerker- und Handelshäuser, Lager und Postgebäude ebenso überzeugende Verkünder der künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten früherer Generationen, vergangener Jahrhunderte.

Und Dobbertin ist nun in dieser Beziehung wahrlich eine Fundgrube. Nicht wenige alte Wohnhäuser mit Backsteinfachwerk faszinieren durch ihre bodenständige Architektur, heutzutage sorgfältig gepflegt und geschützt. Zugleich wird Dobbertin geprägt durch die umfänglichen Klosterbauten, die nicht nur das Areal des eigentlichen Klosters sondern das gesamte Dorfbild wesentlich mit bestimmen.

Schon 1220, also 7 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes Dobbertin, wurde das Kloster durch Fürst Borwin I. von Mecklenburg als Mönchskloster gegründet. 1237 wurde es in ein Nonnenkloster umgewandelt, zu dessen Besitz schließlich u.a. 26 Klostergüter, 12 Förstereien, 19 Kirchen und 43 Schulen gehörten. Später kamen Mühlen, Kalkbrennereien, Ziegeleien und sogar eine Dampfsägerei hinzu.

Wechselvoll war die Geschichte des Klosters über die Jahrhunderte. So war das Kloster lange Zeit Wohnsitz und Versorgungsanstalt für Jungfrauen des Mecklenburgischen Hochadels. Die adligen Damen, die Conventualinnen, durften das Kloster auch nach dessen offizieller Auflösung 1918 weiter bewohnen. Nach dem 2. Weltkrieg nahmen die Anlagen im Gefolge der Nutzung durch die russische Armee und später durch Flüchtlinge erheblichen Schaden. Nach mühevollen Instandsetzungen entstand hier schließlich ein Alters- und Pflegeheim, später ein Heim für geistig behinderte und psychisch kranke Menschen. Diese Funktion hat das Kloster seit 1991 weitergeführt, nun unter der Leitung des neuen gegründeten Diakoniewerkes. Seither sind auch aufwändige architektonisch-bauliche Restaurierungsarbeiten wieder im Gange, und mehr und mehr verbessert sich der Zustand des geschichtsträchtigen Areals.

Horst Alsleben, Klosterbauleiter (a.D.), Autor dieser Abhandlung, vorzüglicher Kenner auch der Geschichte des Ortes Dobbertin, führt uns nun aber durch das Dorf selbst, an der alten Post und dem Samenhaus vorbei, über den Marktplatz und den Friedhof hin zu den alten Fachwerkhäusern, vor deren Fenstern rotleuchtende Geranien erblühen, unter alten Linden hindurch bis zur Brücke über die Mildenitz, die eilig dem Dobbertiner See zufließt, welcher seinerseits die idyllische Klosterhalbinsel umspült. Das alte Dobbertin – selbst ein Kleinod inmitten einer der herrlichsten Landschaften Mecklenburgs.

Manfred Kubowsky


Marktplatz
Nordwestlich des Marktplatzes, dem jetzigen Platz der Arbeit, ist das ehemalige Schulzengehöft an der Güstrower Chaussee 1 zu sehen. Das Krughaus die heutige Gastwirtschaft „Zwei Linden“ wurde durch den Klosterbauhof um 1750 als Wohnhaus mit Scheune und Ställen errichtet.

In der Nacht vom 18. zum 19. August 1862 hatte ein Feuer die Brennerei des Gastwirtes Timm in Asche gelegt. Der Pächter des Gasthofes, der diese ansehnliche Brennerei betrieb, nebenbei noch die Posthalterei und den Bauhof in Pacht hatte sowie die Fuhren für die Klosterdamen leisten musste, gab daraufhin sein Pachtrecht ab, da er diesem komplizierten Betrieb persönlich nicht mehr gewachsen war.

Die einstige Krugscheune wurde denkmalgerecht saniert und ist ein kulturelles Zentrum mit Sitz der Gemeindeverwaltung und einer Touristeninformation. Der Marktplatz war von jeher Zentrum des Dorfes.


Schulstraße bis zur Mühle
Im Jahr 1804 standen längs der heutigen Schulstraße bis hin zur Mildenitzbrücke nur vier Bauernhäuser mit Scheunen und Ställen, fünf Katen mit jeweils zwei bis drei Wohnungen, eine Schmiede sowie die Häuser des Küsters und Actuarius. Das Pfarrgehöft hatte neben dem Predigerhaus noch eine Scheune mit Stall und ein Viehhaus. Etwas abseits schon an der Mildenitz stand das Backhaus, denn nach den feuerpolizeilichen Vorschriften der Dienstordnung für Dorfschulzen des Klosters von 1855 durften die Backöfen nicht näher als 200 Schritte von den Gebäuden angelegt werden.

Nach 1844 gab es in der Schulstraße ein Dorfbackhaus, ein drittes Armenhaus, ein Bäckerhaus gegenüber dem Grobschmied und eine Kleinkinderschule, die von der Conventualin Frl. von Bassewitz geleitet wurde. 1867 war Conventualin Frl. von Lützow für die drei- bis siebenjährigen Kinder verantwortlich.

Lang ist die Reihe der Dobbertiner Pastoren, die einst in dem vorbildlich sanierten Pfarrhaus wohnten. Mancher von ihnen ging später mit bemerkenswerten Positionen in die Analen ein. 1485 ging Bartoldus Moller als Doktor der Philosophie an die Universität nach Rostock und starb dort 1530 als Rektor.

Johannes Thun ab 1490 Probst in Dobbertin, war von 1504 an Bischof in Schwerin. 1640 wurde Peter Zander in Stockholm durch die schwedische Königin Christine geadelt. Natürlich gab es noch weitere auch reiselustige Dobbertiner Pastoren, so ging 1933 Ulrich Schliemann als Pastor nach Brasilien.

Genau 40 Jahre, bis zum September 1984 wirkte und lebte Probst Kurt Vollrath Peters in Dobbertin. Von der alten Schule gegenüber dem Pfarrgehöft, gibt es leider sehr wenig zu berichten. Die Erweiterung und der Neubau einer Schule wurde seit 1833 vermieden und dem Klosterhauptmann Carl Peter Baron von Le Fort 1839 auf dem Landtag zu Sternberg empfohlen „bei der Anstellung eines zweiten Lehrers für die erste oder höhere Classe der Schule unter keiner Bedingung die Wahl auf ein Individuum fallen zu lassen, welches academische Studien gemacht hat. Die Anstellung eines gelehrten oder vielmehr gelehrt sein wollenden Individuums würde die nachteilige Folge haben, dass der einfache und zweckmäßige Unterrichtsplan verlassen und Gegenstände darin aufgenommen werden mögten, die in Beziehung auf die künftigen Lebensbestimmungen der Schulkinder sie nicht bilden, wohl aber verbilden würden, eine zweite Folge würde aber auch sein, dass der angestellte Lehrer sehr bald mit Gesuchen um Gehaltserhöhungen hervortreten würde ...“ Doch wie der Lehrer Friedrich Ullerich, im Dorf nur „Aulerich“ genannt, 1848 die „Dobbertiner Revolution“ beendete, soll die nachfolgende Geschichte belegen.


Ende der „Revolutschon“
Die Wellen der Revolution von 1848 schlugen sogar an den Strand des Dobbertiner Sees. Eines Abends kommen die paar Tagelöhner des Dorfes zu Ullerich: „Wi will`n nu ok Revolutschon maken. Allens ward nu updeihlt, un du saßt uns dorbi helpen, Aulerich.“ „Gewiß doch, dat dauh ick mihr as girn.“

Dabei glimmt in seinen Augen ein lustiges Funkeln auf. „Kamt morgen abend man all achter Buer Witten sin Schün, dor will`n wi uns drapen, un denn kann’t Deihlen losgahn.“ Befriedigt gehen sie davon, und richtig, nach Feierabend finden sich alle am angegebenen Ort ein, gemütlich an ihren „Bostklöppern“ (kurze Pfeifen) ziehend. Sie setzen sich auf einen Baumstamm und harren der großen Teilerei. Nun erscheint auch Ullerich und eröffnet die Sitzung des Revolutionstribunals. „Na, denn will`n wi man anfangen. Ich denk, wi nähmen irst Buer Witt vör un deihlen sinen Acker und Kram.“ Da erhebt sich Witts Tagelöhner, nimmt vor innerer Erregung die Pfeife aus dem Mund und sagt: „Ne, worüm grad’ bi minen Buern? Dei hett mi nu letzt schön ut’e Not hulpen, as min Frau krank leg un ick’n Dokter bitahlen mößt – ne, bi minen Buern geiht `t nich los!“ Sprach’s und setzte sich erleichtert hin.

„Na gaud“, seggt Auerlich, „is mi recht. Denn fangen wi bi Buer Swart an.“ „Holt, stopp“, röppt dunn Swart sin Daglöhner. „Wat einen recht ist, is`n annern billig; dat seih ick nich in, dat nu bi minen Buern losgahn sall. Dat is noch lang dei Leegst nich“, und er erzählt von Hilfeleistungen des Bauern. „Ja, dat sei ick in“, sagt Aulerich. „Öwer bi weckern Buern will`n wi denn anfangen?“ Stillschweigen. „Lüd“, ergreift Aulerich das Wort, „ick will juch wat vörslahn, wi will`n uns dat noch mal bidenken; wenn ji weiten, bi weckern wi mit Deihlen anfangen will`n, denn lat mi dat weiten, denn drapen wi uns hier wedder; gaht man all tau Hus!“ Sprach’s und ging schmunzelnd davon. Es hat sich keiner gemeldet.

Damit war die Dobbertiner Revolution beendet.

Der Weg führt über die Mildenitzbrücke. Die vor fünf Jahren abgetragene Brücke stand genau 75 Jahre lang und ihr Bau kostete 80 Milliarden Mark. Eine Brückenerneuerung lehnte damals der Dorfschulze Duncker „wegen Mittellosigkeit der Gemeinde“ ab und gab zu bedenken, die gesperrte Brücke gehöre gar nicht der Gemeinde. Westlich der Mildenitz standen noch das 1982 abgerissene Armenhaus sowie die Katen des Fischers und des Postreiters. Die nur knapp 150 m entfernt stehende Wassermühle, ein zweigeschossiger schlichter gelber Backensteinbau, wurde schon um 1820 errichtet. Zum Mühlengehöft gehörten das Müllerhaus, die Kornscheune und ein Backhaus. Das vor 1755 errichtete Müllerhaus ist heute das älteste Gebäude im Klosterdorf. Die Mildenitz wurde vom Jager-See aus kommend, dem heutigen Dobbertiner See unter dem Mühlengebäude hindurch geleitet.


Richtung Güstrower Chaussee
Hinter dem Dorfkrug „Zwei Linden“ finden wir in der Güstrower Chaussee die im Jahre 1787 und 1862 errichteten mit Reet gedeckten Fachwerkhäuser. Sauber, gepflegt und akkurat stechen die beiden Wohnhäuser der Familien Biermann und Mittelstädt „ins Auge“. Sogar das alte Straßenpflaster ist noch vorhanden. An den als Krüppelwalmdach ausgebildeten Giebeln können wir die zur Zierde auf dem First angebrachten mecklenburgischen Pferdeköpfe sehen. Wegen ihres geöffneten Maules werden die gern als „Muulopen“ bezeichnet. Das Holzfachwerk ist mit Mauerziegeln in unterschiedlichen Mustern und Symbolen ausgeziegelt. Lehm und Holzgestrüpp waren damals schon vorhandene und billige Baustoffe.

Die Giebelschrift „In Gottes Hut steht Hab und Gut auch Leib und Seel und Muth 1862“ des Biermannschen Gehöftes erinnert an die langjährigen treuen Dienste als Dorfschulze Dobbertins gegenüber dem Klosterhauptmann und an den verheerenden Brand 1862. Mit dem Feuer in der Brennerei der Gastwirtschaft wurden im August 1862 die drei auf der anderen Straßenseite befindlichen Gebäude des Schulzengehöftes mit vernichtet. Auf dem Landtage am 19. November 1862 berichten die Klostervorsteher: „... die dadurch vernothwendigten dringenden Neubauten hätten sie sofort in Angriff genommen, das Schulzenhaus sei bereits wieder unter Dach und werde noch vor Winter bezogen werden können ... und man beantrage nachträgliche Genehmigung.“


Kleestener Weg
Vom Marktplatz in östlicher Richtung befinden sich am Kleestener Weg zwei noch 1850 errichtete eingeschossige Fachwerkhäuser, die in den Plänen als Katen mit zwei Wohnungen bezeichnet werden.

Da der Weg bis Kleesten unbefestigt und schlecht befahrbar war, konnte beim verheerenden Brand des Pächterhauses samt Schafstall, Katen und Ställen am 15. April 1814 in Kleesten die Klosteramts-Feuerspritze erst „zu spät thätigen Beistand zur Hemmung des Feuers leisten“.


Richtung Friedhof
An der heutigen Straße der Jugend, die ab der alten Post als Lindenstraße bis zum Friedhof führt, standen um 1800 nur 8 Häuser mit einzelnen kleineren Ställen von 18 mal 12 mecklenburgischen Fuß Größe.

Auf dem Plan des Dorfes Dobbertin der Mecklenburg-Schwerin-Güstrowschen-Brandversicherung von 1804 sind schon die Häuser einiger Handwerker so wie des Tischlers, Maurers, Schmieds, Schlächters und Amtsjägers ausgeführt worden. Nicht weit vom Prediger-Witwenhaus stand das Armenhaus. Es wurde 1622 durch den Klosterhauptmann Joachim von Oldenburg gestiftet, soll aber schon „Anno 1638 im Kriegswesen abgebrannt sein“.

In Dobbertin gab es bis zur Klosterauflösung 1918 drei Armenhäuser und ein Krankenhaus. Wo heute das um 1852 erbaute Postamt steht, befand sich vor 1804 das Schützenhaus von stattlicher Größe 50 mal 17 mecklenburgischen Fußes.

Mit Beginn des Kirchenumbaus ab 1828, unter Mitwirkung des Klosterhauptmanns Christian von Raven, wurden auch für die Dobbertiner Handwerker neue Werkstätten errichtet. Vor dem Kirchhof baute man das Forsthaus und das „Saamhaus“. Linkerhand der Lindenstraße in Richtung des Klosters wurde der Klosterbauhof errichtet. Hier wohnten neben dem Amtsreiter als Klosterpolizist auch der Maurermeister Retzlaff. Nicht jedem wird bekannt sein, dass er mit seinen vielen Handwerkern die Klosterkirche „ummauerte“. Tausende der notwendigen Mauerziegel kamen aus den klostereigenen Ziegeleien in Schwinz, Mestlin und Lähnwitz.

Das Haus 16 in der Lindenstraße wurde als Doktorhaus gebaut. Auch die als Holzmagazin gebaute Klosteramtsscheune hatte eine wechselvolle Geschichte. Nach wie vor faszinierend ist das eigenwillige Bohlenbinderdach mit den liegenden Dachgauben. So kann auch heute noch im großen Fachwerksaal die solide Handwerksarbeit des Klosterbauhofes bewundert werden. Das um 1852 erbaute Postgebäude erstrahlt in neuem Glanz. Die vorspringenden umlaufenden Gesimse mit den vielen kleinen Fenstern, Dachaufbauten über den Hauseingängen und die würdevoll gestalteten Giebel zeugen auch hier von solider Handwerksarbeit der Klostermaurer.

Das wohl auffälligste zweigeschossige Fachwerkhaus in der Lindenstraße wurde gemeinsam mit den Zimmerleuten des Klosters schon 1825 errichtet. Einst gehörte es zum Kloster und wurde als Samenhaus genutzt. So ist wohl auch an der Giebelseite die ehemalige Aufzugsanlage unter dem hervorragenden Dachaufbau zu erklären. Bemerkenswert noch die profilierten Kopfbänder, Wind- und Traufbretter. Die äußeren waagerechten Rähme wurden mit Brettern versehen, auf denen sich verschiedene Blattornamente als Zierleiste wiederholen. In den Eckgefachen der Außenwände sind die Holzverstrebungen als unterbrochene Andreaskreuze ausgeführt. Alles solide Zimmermannsarbeit. Das Auffälligste an diesem Fachwerkhaus sind die verschiedenartig gestalteten Ziegelornamente in den Gefachen. Im mecklenburgischen Raum wurden besonders auf der Schauseite der Häuser Ornamente eingemauert. Die Symbolik hatte wohl bei den Bauern eine magische Bedeutung. Denn es kommen in den Ziegelornamenten als häufigste Glücksbringer die Mühle, der Lebensbaum oder die Raute vor. Um das Haus auch vor Blitzschlag zu schützen, wurden vielerorts noch der Gewitterquast, auch als Feuerbesen bezeichnet, in das Gefach eingemauert.

Eine weitere Dobbertiner Eigenart sind die Sprossen im Oberlicht der Fenster und Türen. Das dem Friedhof angrenzende eingeschossige Fachwerkhaus mit seinem Krüppelwalmdach ist durch mehrfache unschöne Veränderungen bei den Dachaufbauten und dem Anbau als einstiges Klosterforstamt nicht mehr zu erkennen. Einst wurde es durch den Klosterhauptmann von Oertzen für die zunehmenden Klosterforsten mit ihren vielen Revieren und der jahrzehntelangen erfolgreichen Forstwirtschaft als Kloster-Forstamt errichtet.


Der alte Klosterfriedhof
Bevor man das ehemalige Benediktinerkloster besichtigen möchte, sollte man noch den ehrwürdigen Klosterfriedhof besuchen. Denn hier begegnet einem hinter den wuchtigen Friedhofsmauern ein Stück Klostergeschichte. Durch das schmiedeeiserne Tor fällt der Blick zuerst auf einen genau 200 Jahre alten robusten Granitstein. Dieser wurde vom Prälat Arnim für die am 22. Februar 1791 an Schlagfluss gestorbene Conventualin Johanna Agnesa von Gloeden gestiftet.

Zwischen den mit Efeu umrankten alten Linden steht ein im Zopfstil gestalteter Sandsteinobelisk von 1790. Er trägt auf seinen vier Seiten in flachem Reif gehaltene Medaillons. Die Inschrift lautet: „Hier ruht Hans Friedrich Christian von Krakewitz auf Briggow, acht Jahre Provisor und ins 15. Jahr Hauptmann zu Dobbertin, geb. 1737 d. 31. März zu Venz auf Rügen, gestorben zu Dobbertin den 11. November 1790. Dem Mann, der Vaterland, der Freunden nützlich war, dem weihet dieser Stein zu ewigen Denkaltar, L. J. Freiherr von Meerheimb, Landrath auf Diestelow. Erbm.“ Diese kaum noch lesbaren Inschriften sollen wieder restauriert werden.

Ein weiterer historischer Grabstein ist aus Ziegelmauerwerk mit ebensolchen Gesimsen und Dachsteinabdeckungen hergestellt und mit einer Sandsteinvase bekrönt. Auf einer erhalten gebliebenen Sandsteintafel ist das Datum XIII. November MDCCCII (13. November 1802) zu entziffern. 70 weitere Grabsteine einstige Conventualinnen, Dominas und Provisoren des Klosters befinden sich noch auf diesem Friedhof. Nach dem aufgefundenen Grabstättenverzeichnis von 1930 sollen es über 140 Steine gewesen sein. Weitere Hinweise finden wir im Dobbertiner Kirchenbuch von 1674.

Bemerkenswert ist auch die Grabstätte der Conventualin von Rohr aus dem Haus Trieplatz, einem uralten märkischen Adelsgeschlecht. Mathilde von Rohr lebte seit 1869 im Kloster Dobbertin, wo sie am 16. September 1889 starb. Ihre jahrelange Freundschaft und Korrespondenz mit Theodor Fontane ließ diesen ab 1870 öfter in Dobbertin verweilen.

Beim Rundgang sind auf den Grabsteinen weitere Namen erkennbar, so derer von Schack, von Quitzow, von Weltzin, von dem Knesebeck, von Bülow, von Hoben, von Heyden, von Behr, von Hammerstein, von Blücher, von Lücken, von Brandenstein, von Flotow, von Lützow, von Restorff, von Schmuckmann.

Vielen unbekannt, dass auch nach Auflösung des Klosters ab 1945 einige Conventualinnen auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte fanden. So die Domina Auguste von Pressentin am 23.1.1951, Magdalene von Oertzen am 13.6.1962, Margarete Freiin von Stenglin am 27.2.1965 und Elisabeth Charlotte von Bassewitz am 22.4.1974.


Der Weg zum Kloster
Auf dem Weg zum Kloster sehen wir linkerhand der Lindenstraße nach den Gebäuden des ehemaligen Klosterbauhofes ein weiteres Backsteingebäude. Es wurde Ende 1860 für drei Klosterbedienstete als Wohnhaus mit Stallgebäude, Hühnerhaus und Gemüsekeller erbaut.

1939 durch den Gartenmeister Ernst Moth erworben, sind heute noch an diesem eingeschossigen Backsteingebäude die verzierten Giebel, Dachaufbauten, Schornsteine und Umfassungsmauern zu sehen.

Bemerkenswert, wie auch nach „dem Durchbau“ der Kirche nach 1857, die Klostermaurer weitere Häuser im Kloster, auf den Klostergütern und den einstigen Klosterdörfern schlicht und einfach in der klostereigenen Backsteinarchitektur erbauten. Die Lindenstraße endet im Kloster am Ufer des Dobbertiner Sees.